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Reformation und Gegenreformation

Die Reformation fand früh Eingang und führte in der Reichsstadt zu einer Evangelisch-Lutherischen Staatskirche. Bereits 1537 ließ man zwei sehr seltene Schrift-Bild-Abendmahlsaltäre anfertigen. Dinkelsbühl schloss sich dem Schmalkaldischen Bund an. Nach dem gegenreformatorischen Sieg Kaiser Karls V. herrschte von 1552 an ein katholischer Magistrat über die protestantisch gebliebene Bürgermehrheit. Sie konnte erst ab 1566 wieder Gottesdienst halten und eine obrigkeitsunabhängige Evangelisch-Lutherische Landeskirche gründen.

Hexenverfolgung

Die Hexenverfolgungen des 16. und 17. Jahrhunderts zogen auch in Dinkelsbühl ihre Kreise, allerdings war die Reichsstadt Dinkelsbühl nicht fanatisch. Bei rund 40 Gerichtsverfahren ordnete der Innere Rat in fünf Prozessen zehn Hinrichtungen an, wobei eine Frau lebendig auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde.

Der Dreißigjährige Krieg

Bis zum Dreißigjährigen Krieg entstanden als imposante Bauten das Alte Rathaus, die Ratstrinkstube (Gustav-Adolf-Haus) am Marktplatz, das heutige Hotel Deutsches Haus mit seinem eindrucksvollen Renaissance-Schnitzwerk, drei Kornhäuser (heute Jugendherberge, Kinderzech‘-Zeughaus und die Schranne am Weinmarkt), die festungsartige Stadtmühle sowie dann 1622 das Kapuzinerkloster. Der hoheitsvolle Löwenbrunnen von 1557 stand ursprünglich vor dem Münster. Mehrmals wechselten sich während des Krieges die katholischen Kaiserlichen und die evangelischen Schwedischen als Besatzer ab. Die Stadt blieb von größeren Beschädigungen verschont, litt jedoch schwer unter den Kriegszahlungen.

Die Kinderzeche

Erstmals archivalisch genannt ist die Schulzeche der katholischen Lateinschüler 1629, was in der Überlieferung mit dem Einmarsch des schwedischen Obristen Sperreuth 1632 in Verbindung gebracht wurde und 1897 zum Festspiel und einen Historischen Umzug führte. Die evangelischen Schulkinder feierten ihre eigene Zeche erst ab 1654, woraus sich ein Volksfest entwickelte. Nach dem Ende der Reichsstadtzeit konnte schließlich eine gemeinsame "Kinderzeche" entstehen.

Die bikonfessionelle Stadt mit paritätischer Verfassung

Die Friedensverhandlungen des Dreißigjährigen Kriegs brachten der Reichsstadt Dinkelsbühl 1649 als Sonderregelung eine paritätische Verfassung mit zwei gleichberechtigten Konfessionen im Magistrat und allen Ämtern. Dies hatte eine tief zerstrittene Bürgerschaft samt Vettern- und Misswirtschaft zur Folge. Die Glaubensfraktionen strengten gegeneinander Gerichtsverfahren vor dem Reichshofrat an, zehn kaiserliche Kommissionen wurden mit wenig Erfolg eingesetzt. Durch die fortwährenden Kriegslasten wurde das Gemeinwesen völlig ruiniert. Als herausragende Bauten sind der Komplex des Karmeliterklosters und das repräsentative Schloss des Deutschen Ordens mit seiner Rokokokapelle zu nennen. Eine Besonderheit in einer evangelischen Kirche ist das 1774 von Johann Nepomuk Nieberlein freskierte Deckengewölbe „Erlösung“ der Heiliggeistkirche im Spital.

Das Ende der Reichsstadtzeit

Die Landesherrlichkeit der souveränen Reichsstadt Dinkelsbühl endete mit den napoleonischen Kriegen. 1802 fiel die Stadt an das Kurfürstentum Bayern und 1804 durch einen Tauschvertrag an das preußische Fürstentum Ansbach. Dieses wurde 1806 in einem weiteren Tausch vom Königreich Preußen an das neugegründete Königreich Bayern abgetreten. Ein beispielhafter klassizistischer Kirchenbau ist die 1843 fertiggestellte St. Paulskirche. Das Denkmal des Dinkelsbühler Jugendschriftstellers und Dichters des Weihnachtslieds „Ihr Kinderlein, kommet“, Christoph von Schmid, wurde 1859 enthüllt.

Kommunale Selbstverwaltung und Große Kreisstadt

Dinkelsbühl erhielt seine kommunale Selbstverwaltung 1818 als unmittelbare Stadt des Rezatkreises im Königreich Bayern, später umbenannt in Mittelfranken. Doch 1940 wurde die Stadt dem Landkreis Dinkelsbühl eingegliedert, was 1997 vom Bayerischen Staat mit der Erklärung zur Großen Kreisstadt wiedergutgemacht wurde. Dinkelsbühl erhielt erweiterte Befugnisse in allen Verwaltungsebenen. Seit der Landkreisreform 1972 gehört Dinkelsbühl zum Landkreis Ansbach.

Neubürger

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kamen Heimatvertriebene, vor allem aus dem Sudetenland, aus Schlesien und Siebenbürgen. Zu dem wandern europäische Migranten seit einigen Jahrzehnten als Neubürger zu. Um die Altstadt entstanden außerhalb des Grüngürtels neue Wohnsiedlungen, Gewerbe- und Industriegebiete.

Kontakt:

Stadtarchivar
Gerfrid Arnold
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